Selbstbehauptungskita – Kinderschutz

Kinderschutz ist ein zentrales Thema in der heutigen Zeit, das wir sehr ernst nehmen. Es ist uns sehr wichtig unser bestmöglichstes zu tun um Kinder vor (sexueller) Gewalt zu schützen. Sexuelle Bildung gehört für uns ganz selbstverständlich zu den Themen, die wir mit den Kindern bearbeiten. Alle pädagogische Fachkräfte verfügen über ein Grundwissen zu diesem Thema, eine unserer Fachkräfte hat eine Fortbildung zur „Sexualpädagogischen Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ erfolgreich absolviert. Wir haben sowohl eine interne Ansprechperson zum Thema Kinderschutz in der Einrichtung als auch eine externe zertifizierte Kinderschutzfachkraft nach § 8a SGB VIII.

Unsere Einrichtung bietet gezielt verschiedene präventive Programme und Aktivitäten. Zentrale Aufgabe ist für uns die Erziehung zur Selbstständigkeit. Die Umsetzung dieser Aufgabe ist in unserer täglichen Arbeit an vielen Stellen wieder zu finden. In den letzten zwei Jahren vor der Schule nehmen alle Kinder zusätzlich an einem speziellen Selbstbehauptungsprogramm teil.
Das Programm soll helfen das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken und ihnen eine größere Selbstsicherheit zu vermitteln. Wir möchten ihre innere Stärke und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) fördern und unterstützen. Kinder sollen zum einen ihre Selbstwirksamkeit erfahren und zum anderen lernen wie wichtig es ist Hilfe durch andere einzufordern und anzunehmen.
Die Förderung des Selbstbewusstseins ist enorm wichtig für ein erfolgreiches und glückliches Leben. Selbstbewusste Kinder sind erwiesener Maßen seltener Opfer von gewalttätigen Übergriffen und sexuellem Missbrauch und fühlen sich meist glücklicher.

Die Stärkung der persönlichen und sozialen Ressourcen des Kindes und die Förderung der Resilienz hat einen zentralen Einfluss auf die Stress- Gewalt- und Suchtprävention im Kindesalter. Kinder müssen mit für sie herausfordernden Situationen konfrontiert werden um ihre Selbstwirksamkeit zu erleben. So lernen sie den Zusammenhang zwischen ihrem eigenen Handeln und den daraus entstehenden Konsequenzen zu verstehen. Es wird ihnen bewusst, dass sie in der Lage sind durch ihr Tun Dinge zu verändern. Sie fühlen sich handlungsfähig und stark und merken wie wichtig es ist nicht aufzugeben. Sie lernen auch, dass sie für ihr Handeln Verantwortung übernehmen müssen und dass es wichtig ist innerhalb der eigenen Möglichkeiten selber aktiv zu werden.

Kinder müssen auch lernen sich Hilfe zu holen. Sie sollen lernen wie sie das tun können und wo sie das tun können. Sie sollen lernen auf sich selber zu hören und ihre individuellen Warnsignale zu verstehen und ernst zu nehmen. Sie sollen lernen Gefahren frühzeitig zu erkennen und ihnen aus dem Weg zu gehen bevor es zu spät ist. Sie sollen lernen aufmerksam für sich und ihre Umwelt zu sein. Sie sollen lernen den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu erkennen. Sie sollen lernen wie wichtig es ist sich nicht auf Provokationen einzulassen und selber nicht zu provozieren. Hierfür sollen sie Strategien der Deeskalation kennenlernen.
Es ist wichtig, dass die Kinder den Unterschied zwischen Mut und Leichtsinn verstehen um sich nicht selber in Gefahr zu bringen. Es ist wichtig, dass Kinder lernen sowohl ihre eigenen Grenzen zu kennen und diese vertreten zu können als auch die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu achten. Es ist wichtig, dass sie respektvoll mit sich selbst und mit anderen umgehen und sich trotz ihrer körperlichen Unterlegenheit gegen Grenzüberschreitungen wehren können oder ihnen weitestgehend aus dem Weg gehen können. Es ist wichtig dass sie lernen laut und deutlich „NEIN“ und „STOPP“ zu sagen.

Bewegung tut nicht nur dem Körper sondern auch der Seele gut und fördert erwiesener Maßen das Selbstbewusstsein. Aus diesem Grund ist unser Selbstbehauptungsprogramm auch teilweise ein Sportprogramm.
In verschiedenen Übungen die entweder in Form von Rollenspielen, sportlichen Übungen oder Gesprächsrunden durchgeführt werden, wird das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt, sie lernen Grenzen zu setzen und wahrzunehmen und ihre Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für gefährliche Situationen wird geschult. Die Kinder lernen mit Stress und Ängsten umzugehen und fühlen sich durch die Bewältigung angemessener Herausforderungen gestärkt und handlungsfähig. Auch Begriffe wie Respekt, Disziplin, Motivation, Konzentration, Empathie, Spaß und Erfolg sind Teil des zweijährigen Kurses.

Als Teil dieses Kurses machen die Kinder eine Reihe von Übungen in der „wahren Welt“. Unter Anleitung der Fachkräfte üben die Kinder sich auf der Straße Hilfe zu holen und fremde Personen gezielt anzusprechen. Sie besuchen Feuerwehr und Polizei und lernen mit Notsituationen umzugehen. Es ist uns sehr wichtig, dass die Kinder Gefahren rechtzeitig erkennen und benennen können und keine Ängste entwickeln sondern feststellen, dass auch sie in der Lage sind etwas zu tun – z.B. sich bemerkbar zu machen oder Hilfe zu holen. Sie sollen ihre Selbstwirksamkeit erfahren und erleben. In der gemeinsamen Reflexion mit den Kindern zu diesen Ereignissen soll ihnen genau das bewusst gemacht werden damit sie sich den Herausforderungen in ihrem Leben so weit wie möglich gewachsen fühlen und nicht dem Gefühl der Ohnmacht erliegen.

Zum Abschluss des Kurses, kurz vor dem Übergang in die Schule, machen die Kinder ein 2-tägiges Selbstbehauptungscamp mit uns. Ziel des Camps ist es (außer natürlich ganz viel Spaß zu haben) die Kinder dabei zu unterstützen noch ein bisschen selbstbewusster, selbstständiger und sicherer zu werden und bestmöglich auf den Übergang in die Schule vorbereitet zu werden. Die Kinder werden vor eine Reihe von für ihre individuelle Entwicklung angemessene Herausforderungen gestellt an denen sie wachsen können. Auf diesem Camp lernen die Kinder verschiedene Kampfsportarten und Trainingsformen kennen. Sport in allen Variationen ist ein großer Teil dieser Reise. Kooperationen mit der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten ermöglichen besondere Erfahrungen und Erlebnisse.

Wir freuen uns zu sehen mit wie viel Interesse, Spaß und Engagement die Kinder sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns bei diesem Thema sehr wichtig. Nur wenn auch die Eltern dieses Konzept verstehen und durch ihre Haltung dem Kind gegenüber unterstützen, kann es wirklich erfolgreich sein. Mehr Infos hierzu auch in folgendem Buch:

Weitere Informationen zum Umgang mit dem Thema Kinderschutz kann unserem einrichtungsspezifischen Schutz- bzw. Sexualpädagogischenkonzept entnommen werden.